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Südkurier

"Mein Haus bin ich"

Aus der Süddeutschen Zeitung

Zeig' mir deine Hütte, ich sag' dir wer du bist: Was der Architektur-Psychologe Peter Richter von außen über die Bewohner sagen kann.
Von Eike Schrimm

Professor Peter Richter lehrt an der Technischen Universität Dresden am Institut für Arbeits-, Organisations- und Sozialpsychologie. Innerhalb der Teildisziplin „Architekturpsychologie“ untersucht er unter anderem, wie Gebäude auf Menschen wirken.

sueddeutsche.de: Professor Richter, kann man schon am Gartenzaun erkennen, welcher Charakter im Haus wohnt?
Professor Peter Richter: Ja, denn ein mannshoher Gartenzaun symbolisiert eindeutig „Ich will Distanz. Bleib’ weg“. Über eine niedrige Mauer oder Hecke werden dann schon lieber ein paar Worte gewechselt. Auch an der Haustür lässt sich ablesen, ob dem Bewohner soziale Kontakte wichtig sind. Eine Tür aus Glas lädt im wahrsten Sinne dazu ein: „Schau doch mal vorbei“. Bei einer Tür, die blickdicht verschlossen ist und mit drei Sicherheitsschlössern verriegelt ist, kommt niemand auf die Idee, willkommen zu sein.

sueddeutsche.de: Wenn die Tür schon eine so große Aussagekraft hat, dann spricht das gesamte Haus ja mehr als 1000 Worte.
Richter: So ist es. Das eigene Haus ist wie die Kleidung oder auch das Auto ein Mittel der Selbstdarstellung. Mit dem Haus transportiert der Bauherr bewusst oder unbewusst sein eigenes Idealbild nach außen: Mein Haus bin ich. Deckt zum Beispiel teuer exportierter Marmor die Gartenmauer ab, ist purer Luxus auf dem ersten Blick erkennbar. Heimisches Holz an der Fassade strahlt dagegen Ortsverbundenheit und Wärme aus.

sueddeutsche.de: Was verrät die Gebäudeform?
Richter: Bei öffentlichen Gebäuden oft Macht. Historische Rathäuser wurden meist sehr aufwändig gebaut und spiegelten das aufstrebende Bürgertum wider, riesige Kirchen sollten die Bedeutung der Religion hervorheben, mit trutzigen Burgen stellte der Adel sich zur Schau.
Bei Einfamilienhäusern ist es dagegen schwierig, nur die Form zu interpretieren. Allerdings gibt es ein prominentes Beispiel, das allein durch seine Form einiges zu sagen hat. Ich spreche von Oscar Lafontaines Villa. Die Symmetrie des Hauses und die Betonung der Vertikalen erinnert an eine Burg und symbolisiert somit das Bedürfnis nach Machtausübung und Dominanz.

sueddeutsche.de: In einem Mehrfamilienhaus wohnen viele Menschen unter einem Dach. Außerdem hatten sie auf die Gestaltung des Hauses keinen Einfluss. Ist es trotzdem möglich, vom Gebäude auf die Bewohner zu schließen?
Richter: Natürlich sagt ein Einfamilienhaus mehr aus als ein Mehrfamilienhaus. Aber in Deutschland kann sich meistens jeder das Haus aussuchen, in dem er wohnen will. Also wird ihm auch das Äußere einigermaßen gefallen. Außerdem haben die Bewohner auch in einem Mehrfamilienhaus die Möglichkeit, ihren eigenen Geschmack einzubringen.
Zum Beispiel auf dem Balkon: Wer ihn üppig bepflanzt, dekoriert und mit Möbeln einrichtet, signalisiert Wohnzufriedenheit. Anders sieht es aus, wenn der Balkon nur als Lagerplatz für Wasserkisten oder Altpapier genutzt wird.
Auch die Fenster machen sichtbar, wer dahinter wohnt. Keine Gardinen stehen für Offenheit, hinter dauernd heruntergelassenen Rollladen zieht sich jemand zurück und vermeidet jeden Kontakt mit der Außenwelt.

sueddeutsche.de: Sind Hochhäuser nicht außerordentlich menschenfeindlich?
Richter: In der Tat gibt es Untersuchungen, die den so genannten Geschoss-Effekt bestätigen: Je höher der Mensch wohnt, desto häufiger nimmt er Reißaus. Aber daraus lässt sich keine Faustregel ableiten. Denn es gibt auch Studien, die eine hohe Zufriedenheit von Hochhaus-Bewohnern bestätigen. Dort hatten die Bewohner für sich eine eigene Terrasse mit großen Pflanzenkübeln. Sobald dem Menschen also ein Stückchen Land zur Verfügung gestellt wird, fühlt er sich heimischer, nimmt Kontakte zu Nachbarn auf, schließt Freundschaften. Er bindet sich emotional an den Ort und will nicht mehr wegziehen.

sueddeutsche.de: Also sagt nicht automatisch die Geschoßzahl etwas aus über die Wohnzufriedenheit?
Richter: Nein, auf keinen Fall. Der Mensch benötigt einen Freiraum, den er individuell gestalten kann. Wer hätte gedacht, das in dem Wiener Hundertwasser-Haus die Fluktuation sehr hoch ist. Das Gebäude ist zwar schön bunt und einzigartig, aber die Menschen haben keinen Platz, um den eigenen Geschmack verwirklichen zu können.

sueddeutsche.de: Wie muss eine Neubausiedlung geplant werden, damit sich die Bewohner wohlfühlen?
Richter: Ganz wichtig sind Übergangsbereiche vom öffentlichen zum privaten Territorium. Eine Bank vor dem Haus oder ein Vorgarten ist so ein wichtiger halb-öffentlicher Bereich. Hier entsteht Kommunikation, aus der wiederum ein soziales Netzwerk wächst und daraus Ortsverbundenheit.

sueddeutsche.de: Warum werden Neubauten oft als störend empfunden?
Richter: Gerade bei Anwohnern lautet oft der Vorwurf: „Das Haus passt doch gar nicht in unsere Straße.“ Zu solchen Widerständen kommt es, weil der Gestalter, also der Architekt, ganz anders denkt als der Nutzer beziehungsweise der Anwohner. Der eine ist Experte, der andere Laie, beide haben vollkommen unterschiedlichen Wertvorstellungen. Daraus ergibt sich möglicherweiser ein Interessenkonflikt, und wenn die Kommunikation nicht stimmt, steht am Ende ein Gebäude in der Landschaft, das eben abgelehnt wird.
Als der Eiffelturm aufgebaut wurde, waren die Pariser entsetzt. Sie empfanden den Turm als Schandfleck. Deshalb sollte er nach der Weltausstellung wieder verschwinden, aus Kostengründen blieb er aber stehen und ist heute das Wahrzeichen der Stadt. Manchmal brauchen die Menschen einfach nur Zeit. Bestenfalls gewöhnen sie sich dann nicht nur an das Neue, sondern schätzen es und lernen es lieben.

Quelle: sueddeutsche.de | Link zum Artikel

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"Seelisch gesünder im Eigenheim"

aus FOCUS, Nr. 16 vom 16. April 2007
Peter Richter, Professor für Architekturpsychologie, über die stärkende Wirkung des eigenen Hauses, ungesunde Wohnanlagen und das Leben in der Stadt

Focus: „My home is my castle“ - gilt dieser Spruch heute noch?
Richter: Absolut. Das Schloss steht für ein psychologisch sehr aktuelles Bedürfnis: Die Sehnsucht nach Geborgenheit hinter den eigenen Mauern und die Distanz nach außen. Für die Menschen ist das eigene Territorium, das sie gegen andere verteidigen können, sehr wichtig.

Focus: Man kann sich aber doch auch in einer Mietimmobilie geborgen fühlen.
Richter: Natürlich, aber das Eigentum verstärkt enorm das Gefühl der Kontrolle und das wertet die Selbstsicherheit auf. Im Sport ist das ganz ähnlich, dort sprechen wir vom Heimvorteil. Die Mannschaft, die im eigenen Stadion spielt, gewinnt zu Hause im Schnitt häufiger als auswärts. Das eigene Territorium wirkt sich körperlich positiv aus.

Focus: Sie wollen jetzt aber nicht sagen, Eigenheimbesitzer leben gesünder als Mieter?
Richter: Vielleicht nicht unbedingt körperlich. Aber sie können sich vielfältigere Nutzungsbereiche in ihrem Heim schaffen, offenbar gesundheitsförderlich wirken. Nach neuen Studien sind Eigenheimbesitzer in der Masse zumindest seelisch gesünder und fühlen sich wohler als Mieter.

Focus: Tätsächlich ist ein Hauskauf oder -bau aber doch erst einmal ein Wagnis. Die meisten müssen sich hoch verschulden für ihr Heim.
Richter: Das spielt in der Wahrnehmung aber eine untergeordnete Rolle. Für die Hauseigentümer überwiegen die erlebten Vorteile. So empfinden sie in ihren eigenen vier Wänden einen besonders hohen Grad an Privatheit. Sie haben das Gefühl dort ihren Emotionen freien Lauf lassen zu können. Was sie in der Öffentlichkeit unterdrücken, leben sie zu Hause aus. Sie können toben, laut lachen, singen - machen sie das auf der Straße, ziehen sie alle Blicke an. Diese Freiheit reinigt die Psyche. Sie schafft emotionale Balance und macht wieder handlungsfähig.

Focus: Viele müssen sich aber stark einschränken. Sie sparen, verzichten auf Urlaube und bewohnen aus Kostengründen allzu oft eine Immobilie, die ihnen nicht voll und ganz gefällt.
Richter: Solche Abstriche nehmen viele in Kauf, weil sie dafür ihr Zuhause frei gestalten können. Sie müssen bei Änderungen niemanden fragen. Außerdem kauft keiner ein Heim, das er gar nicht mag. Sozial sind Eigenheimbesitzer besser verankert: Die Familie rückt zusammen und unterhält häufig enge Kontakte zu den Nachbarn. Das bereichert. Und auch die Gesellschaft profitiert. Es ist erwiesen, dass Eigenheimbesitzer in ihren Wohngebieten aktiver sind, auf ihre Umgebung achten. Studien belegen, dass in Siedlungen mit vielen Eigenheimen sogar die Kriminalität geringer ist als in Mietgebieten.

Focus: Ist es für die Seele gesünder auf dem Land im Grünen als in der Stadt zu wohnen?
Richter: Das kann man so pauschal nicht sagen. Singles, kinderlose Paare und Senioren zieht es in die Stadt, dort entstehen neue Eigenheime. Ihnen ist eine funktionierende Infrastruktur und ein großes Kulturangebot wichtig.

Focus: Worauf sollte man bei der Wahl seiner Immobilie achten?
Richter: Am wohlsten fühlen sich Menschen in ruhigen und lichten Räumen. Lärm stört, vertreibt und je älter man wird, umso lästiger empfindet man ihn.

Focus: Viele Neubaugebiete sind sehr gleichförmig, die Leute schauen sich frontal gegenseitig in die Wohnungen. Wieso wird so gebaut?
Richter: Diese Gebiete sind eine Fehlentwicklung. Selbst wenn man beengt baut, kann man dem Einzelnen und seinen Bedürfnissen Raum geben. Beispielsweise, indem man die Häuser versetzt. Leider entscheiden sich aber die Bauträger häufig für die günstigste und damit eintönigste Lösung.

Focus: Wie wichtig ist die Nachbarschaft?
Richter: Menschen leben am liebsten in einem Umfeld, das ihrem Status entspricht oder sogar eine Stufe höher rangiert. Deshalb funktionieren trotz aller guter Absicht Modelle nicht, die sozial sehr unterschiedliche Gruppen integrieren wollen. Dagegen passen verschiedene Generationen aus einer Schicht gut zusammen. Das ist sicher ein Modell für die Zukunft.

www.focus.de

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"Macht kaputt, was euch kaputt macht"

Aus dem Tagesppiegel vom 25.11.2007

Wer im falsch geplanten Haus lebt wird "sozial defensiv und misstrauisch".
Was Architekturpsychologen über richtiges Wohnen wissen.
Von Ariane Bemmer
Download des Artikels als pdf-Datei (506 kb)

Quelle: tagesspiegel.de | Link zum Artikel

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"Räume machen Leute"

aus Business News, 14. Juni 2007

Wer in einer Londoner Telefonzelle telefoniert, der braucht dafür in der
Regel etwas länger. Denn die Zellen in der britischen Hauptstadt sind rot. Wären sie hingegen blau, wäre die Dauer der Gespräche kürzer. Das zumindest fanden skandinavische Forscher heraus, allerdings für Innenfarben von Telefonzellen.
„Farben in Räumen haben Einfluss auf Menschen – wenn auch häufig unbewusst“, sagt Peter Richter, Professor für Arbeits-, Organisations- und Sozialpsychologie mit dem Teilgebiet Architektur an der Technischen Universität Dresden. Seit Mitte der 1990er Jahre beschäftige er sich intensiv mit der Forschung im Teilgebiet Architekturpsychologie. Der Grund für die starken Reaktionen auf die Farbe Rot sei einfach: Während Rot, Orange- oder Gelbtöne aktivierend wirken, haben kühle Farben wie Grün, Blau und Grau eine eher hemmende Wirkung. Untersuchungen haben gezeigt, dass das menschliche Herz in einem roten Zimmer zehn Schläge mehr pro Minute macht, als in einem blauen. Jedoch führen Farben nicht nur dazu, dass man länger telefoniert oder sich der Herzschlag erhöht, sondern sie beeinflussen auch die Leistung am Arbeitsplatz – immerhin bis zu 16 Prozent. Leistungshinderlich können sogar die Farben der Schreibtischoberflächen sein, beispielsweise Schwarz. Grund dafür ist die hohe Sättigung der Farben, wodurch Kontrastverhältnisse entstehen, die das Arbeiten erschweren.
Doch auch Gebäude und Räume haben eine große Wirkung auf das Befinden von Menschen. So zeigten Untersuchungen aus den 1980er Jahren, dass Architektur nicht nur Stimmungen beeinflussen kann, sondern auch den Heilungsprozess von Patienten in Krankenhäusern. Dazu kann schon die Möglichkeit des freien Blicks aus dem Fenster in die Natur oder auf eine Parkfläche beitragen. „Natürliche Umwelten haben einen förderlichen Charakter“, sagt Richter. Das betreffe jedoch nicht nur den Gesundheitszustand, sondern auch die Leistung im Arbeitsalltag. Auch hier wirkt sich der Blick auf eine Landschaft oder einen Park positiver auf die Produktivität aus, als der auf eine Betonwand.
Ähnlich sieht es mit der Gestaltung der Büroräume aus.


Eine freundliche Umwelt wird schon durch das Aufstellen einiger Büropflanzen erzeugt – auch wenn es sich hierbei um eine künstliche Umwelt handelt. Gleichzeitig erhöhen sie die Luftfeuchtigkeit in den Räumen, produzieren Sauerstoff und binden CO2. Und: Mit geschicktem Einsatz können durch Pflanzen Defizite in der Bürogestaltung wie etwa der Klimaanlage kompensiert werden.
Ein Problem in Büros ist häufig die Raumgröße. So entsteht in Räumen mit zu niedrigen Decken oder zu eng stehenden Schreibtischen schnell ein Unwohlsein, das im Extremfall mit dem in vollen Aufzügen oder Bussen vergleichbar ist. Gerade in den so verbreiteten Großraumbüros seien laut Professor Richter kleine Zellen oder Nischen wichtig, wo der Einzelne in Ruhe arbeiten kann, Richter rät deshalb zu so genannten Kombi- oder Flexibüros, die Arbeitsnischen für den Einzelnen mit Besprechungsräumen für Gruppen vereinen. „Alles ist förderlich, was Subzonen schafft“, sagt Richter. Fehlende Wände in Großraumbüros und somit fehlende Rückzugsmöglichkeiten können durch Raumtrenner wie Paravents ersetzt werden. Je nach Material können diese zusätzlich die Lautstärke verringern. Bei abgetrennten Glaskästen sei es hingegen wichtig, dass es einen Sichtschutz in Form von Jalousien oder Lamellen gibt, der bei Bedarf den Blick nach innen verwährt. „Komplett transparente Zellen mit raumhohen Fensterscheiben ermöglichen weder unbeobachtetes und konzentriertes Arbeiten noch Entspannung“, sagt Richter. Wer dort seinen Schreibtisch stehen hat, der wird sich unweigerlich von den Kollegen beobachtet fühlen.
Deshalb ist es wichtig, dass der Arbeitnehmer an seinem Platz einen gewissen Gestaltungsspielraum geboten bekommt. Denn es ist ein menschliches Bedürfnis einen anonymen Raum wie den Platz im Büro durch Kleinigkeiten wie Familienbilder, Poster oder Pflanzen in einen persönlichen zu verwandeln. Es verschafft dem Einzelnen eine gewisse Privatheit, die ihm ermöglicht sich wohl zu fühlen. Für eine gute Stimmung unter den Kollegen ist die Möglichkeit zum Austausch ein Muss.
Dazu zählt auch der private Smalltalk zwischendurch. Schon ein Kaffeeautomat und ein paar Stehtische in einem abgrenzten Bereich, wo sich die Mitarbeiter zurückgezogen unterhalten können, wirken sich positiv auf die Arbeit aus. „Es ist wichtig, dass man die Pause nicht am Schreibtisch verbringt“, sagt der Psychologe Richter. Noch in vielen Büros undenkbar, aber sinnvoll sind außerdem Entspannungsecken mit Liegeflächen. Damit sich die Mitarbeiter dort aber auch richtig erholen können, muss darauf geachtet werden, dass die Farben in dem jeweiligen Raum eine deaktivierende Wirkung haben – also Blau, Grün oder Grau bei der Gestaltung verwendet wird. Das führt auch garantiert nicht zu Herzrasen.

Interview: Kerstin Skork Freie Journalistin

Was nicht erschien:

Vorab möchte ich darauf hinweisen, dass aus den beiden folgenden Analysen der Gebäudesymbolik nicht (oder sehr indirekt) auf die Einstellungen/Intentionen der Nutzer dieser Gebäude zu schließen ist. Allenfalls kann man Vermutungen zu den Intentionen der seinerzeitigen Auftraggeber und die der Architekten.
Am Beispiel: das Bundeskanzleramt ist in der Ära der Regierung Kohl gebaut worden und sagt ja damit wenig über die aktuelle Bundeskanzlerin und Ihren Mitarbeiterstab aus.

Deshalb im Folgenden nur etwas über die Symbolik der beiden Gebäude, wobei ich den Fokus auf Merkmale der so genannten Herrschaftsdiktatur lege (vgl. Übersicht). Interessanterweise gibt es den Gegenbegriff einer "Demokratiearchitektur" nicht, aber man kann sich natürlich Merkmale ableiten: beispielsweise transparente Fassaden oder kreisförmige Anordnung der Sitzreihen, Besuchertribünen, etc. wie in den Bundestagsgebäuden in Bonn und Berlin.

Merkmale von Herrschaftsarchitektur

Historische Bauten (Tempel, Kirchen, etc.)

Größe
- Überdimensionierung, extreme Höhe, etc.
- Lange Wege, Schranken, Vorzimmer, etc.

Symmetrie
- Klapp- oder Ebenensymmetrie
- Rotations- oder Punktsymmetrie

Betonung der Senkrechten
- Gebäude-/Fensterform
- Pfeiler, Säulen, etc.

Betonung Eingangsbereiche
- Pfeilervorbauten
- mehrfache Geschosshöhen bei Vorbauten

Reihungen
- uniforme Elemente
- gleichförmige Anordnungen


Zeitgenössische Bauten (Regierungsbauten, Firmensitze, Kaufhäuser, etc.)

Reduktion auf wesentliche Grundformen
- Quader, Zylinder, Kegel, etc.
- scharfkantige Abgrenzungen

Glatte Fassaden ohne Dekor
- betonte Flächigkeit
- sachliche Einfachheit


nach SIMMEL, 1896; SCHÄFERS, 2003, SEYLER, 2004; DONATH, 2007

Firmensitz von BMW: Das Gebäude weist viele Merkmale so genannter Herrschaftsarchitektur aus. Dazu zählt nicht nur die große Höhe, deren Wirkung aus der Perspektive des Fotos gut abzuleiten ist. Durch die Baukörper wird die Senkrechte betont. Durch die Unterbrechung an den Türmen wird eindeutig zwischen einem oben Teil (6 Etagen) und einem größeren unteren (11 Etagen) differenziert, ein Hinweis auf Hierarchie in der Firma. Das Gebäude hat mehrfache Symmetrieachsen: jeder der vier Türme ist in sich rotationssymmetrisch, die Anordnung der Türme zueinander steht ebenfalls in dieser Beziehung, und zwar doppelt. Last but not least ist die Fassade durch gleichförmige Anordnung uniformer Elemente (Fenster) gekennzeichnet. Sitzen hinter den Fenstern uniforme austauschbare Mitarbeiter?



Das Kanzleramt weist demgegenüber wesentlich weniger Merkmale von Herrschaftsarchitektur auf (Klappsymmetrie, schlossähnlicher Bau mit zwei Flügeln). Interessanterweise wird diese Symmetrie durch (nachträglich oder geplante?) asymmetrisch angebrachte Elemente (Fahnen, Plastik, Sonnensegel über dem Eingangsbereich) gebrochen. Durch seine geringe Höhe wirkt es wenig dominant und einschüchternd. Das wir durch eine transparente offene Fassade im Mittelteil unterstützt, die eher einladenden Charakter hat.

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Gehaltsverhandlung lieber im eigenen Büro

Aus der Freien Presse vom 13./14. Februar 2010

Der Dresdner Architekturpsychologe Peter G. Richter erforscht, wie sich die Gestaltung der Arbeitsumgebung auf die Leistungsfähigkeit auswirkt.
Von Christian Wobst, freier Journalist (www.graf-text.de)
Download des Artikels als pdf-Datei (199 kb)

Quelle: Freie Presse | Link zur Zeitung

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Warum Eigentümer glücklicher sind

Aus "Das Haus" vom Juni 2010

LBS aktuell: Wieso sind Eigentümer glücklicher?
Prof. Richter: Ursprünglich dachten wir, ein höheres Vermögen oder bestimmte Persönlichkeitsfaktoren sind der Grund. Inzwischen gibt es empirisch belegte Hinweise, dass Eigentümer unabhängig davon zufriedener sind als Mieter.

LBS aktuell: Wie erklären Sie sich das?
Prof. Richter: Studien aus anderen Bereichen lassen Rückschlüsse zu: Jungunternehmer, die eine Firma gründen wollen, sind glücklicher als Unternehmens-Erben. Wohneigentümer, die sich ihr Haus aus eigener Kraft bauen oder kaufen, sind zufriedener als Immobilien-Erben. Die Zufriedenheit des Eigentümers hat also nichts mit Vermögen an und für sich zu tun.

LBS aktuell: Was heißt das genau?
Prof. Richter: Eigentümer schaffen sich Freiräume. Sie stehen in keinem Abhängigkeitsverhältnis zu einem Vermieter. In einem Neubau zum Beispiel gestalten sie Raumstrukturen nach ihren Vorstellungen. Aus der Arbeitspsychologie wissen wir, wie wichtig diese Freiheit ist für Motivation, Leistungsbereitschaft und Wohlbefinden.

LBS aktuell: Wie wirkt das Eigentum auf Paarleben und Familie?
Prof. Richter: Wohneigentum wirkt auch positiv auf das Privatleben. Sie haben im eigenen Heim die Möglichkeit, sich Rückzugsräume zu schaffen. Jeder sollte so einen Raum für sich haben – fair verteilt, was Größe, Licht und Attraktivität betrifft. Dies gilt auch für Paare ohne Kinder. Dieses eigene Zimmer lässt Raum, Emotionen zu ordnen, die in Öffentlichkeit und Berufsleben keinen Platz haben. Wir vermuten Zusammenhänge zwischen Grundriss und Scheidungsrate.

LBS aktuell: Würden Sie sagen, die Investition Immobilie zahlt sich aus?
Prof. Richter: Unbedingt! Sie fördert Glück, Wohlbefinden und ein zufriedenes Privatleben. Allerdings muss man das Wohneigentum auch wirklich wollen.

Quelle: Das Haus | Link zur Zeitung

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Titelthema Architektur

Aus dem Magazin "Kunststoff" Oktober 2010

In der aktuellen Ausgabe des mitteldeutschen Kulturmagazins "Kunststoff" ist unter dem Titelthema Architektur auch ein Artikel zum Beispiel Dresden erschienen.
Download des Artikels als pdf-Datei (300 kb)

Quelle: Südkurier | Link zur Zeitung

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Darum hat es moderne Architektur so schwer

Aus dem "Südkurier" vom 28.12.2010

Unter der Überschrift "Schandfleck oder Rohdiamant? - Warum wir manche Gebäude hassen, andere hingegen lieben..." ist im Südkurier vom 28.12.2010 ein Artikel erschienen.
Download des Artikels als pdf-Datei (800 kb)

Quelle: Südkurier| Link zur Zeitung

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